Das Heldinnentor

Zu Beginn meines Weges hatte ich gedacht, es gäbe nur ein einziges.

Ein Heldinnentor, das – einmal durchschritten – für immer hinter mir verschwinden würde. Doch dem war nicht so.

In den vergangenen Jahren bin ich unzählige Male an Heldinnentore gekommen. Mal ging es um den Mut, dann wieder ums Vertrauen und ein anderes Mal um das Durchhaltevermögen.

Nicht immer bin ich beim ersten Mal gleich hindurchgegangen,
durch das Heldinnentor. Dann habe ich mich kurze Zeit später meist erneut vor ihm wiedergefunden. Weil es keinen Weg um es herum gibt – sondern nur mittendurch.

Das Heldinnentor, ein Wort, das mir Katharina Sebert geschenkt hat, bei der ich gerade in München die Ausbildung zur Leiterin von Frauenkreisen besuche. Es trifft so gut für mich das, was ich beim Gehen meines Herzensweges wieder und wieder erlebe: Dieses Gefühl, die Heldin, Hüterin, Verantwortliche und Gehende meines Weges zu sein.

Und: Immer wieder an jene Stellen zu kommen, an denen ich mich frage: Soll ich oder soll ich nicht? Weitergehen. Den nächsten Schritt setzen. Dieses tun. Jenes lassen. Mir treu sein. Fest an meiner Seite stehen.

Die Heldinnentore sind für mich die Stellen auf der Reise, an denen ich dem Drachen begegne: Aufgebrochen zu einer Mission (meinen Weg zu gehen und mit dem Geschenk des Erfülltseins, der Stimmigkeit und des Sinns des eigenen Lebens heimzukehren), fordern sie mich heraus, verlangen mir alles ab und prüfen mich.

Ganz so, als würden sie (oder das Leben) mich fragen:
Na, Sabrina, hier willst du also weitergehen –
bist du da wirklich ganz sicher?
Und schwupp, schon befinde ich mich mitten in der Angst,
im Zweifel, einem Konflikt, einer Unsicherheit
oder vor einem Berg zerborstener Pläne.

Es sind die Tore, an denen sich entscheidet, ob ich wirklich den Weg gehe – oder nur an ihm schnuppere. Wo sich zeigt, ob meine Sehnsucht, meine Kraft, mein innerer Antrieb, der Ruf in mir oder was immer mich hat aufbrechen lassen, groß genug ist, um mich durch das Heldinnentor hindurchzutragen.

Um mich dazuzubringen, dem Drachen zu begegnen, mitten im Feuer stehen zu bleiben und ein unwiderbringliches Ja zu mir und meinem Weg zu rufen.

Sie sind nicht leicht, die Heldinnentore. Sind nichts für Feiglinge. Und doch habe ich erfahren: Ich habe stets alles zur Hand, was ich benötige, um durch sie hindurchzugehen. Was es von mir vor allem braucht, ist mein Stehenbleiben in dem, was ist, mein Ja zu mir und zu diesem Weg. Dann ergeben sich die nächsten Schritte häufig wie von alleine.

Was nicht heißt, dass sie dann immer einfach sind.
Das kann sein, muss aber nicht.
Was es aber sehr wohl heißt, ist,
dass sie möglich sind. Immer.
Indem ich gehe, stehe, an meiner Seite bleibe.

Mit dem Mythos, das hinter dem ersten Heldinnentor – einmal durchschritten – nie wieder ein zweites (ganz anderes oder ähnliches) auftauchen würde, hat das Leben bei mir zu Beginn meines Weges recht schnell aufgeräumt.

Ich habe gelernt, dass sie immer wieder kommen. Die ganz großen Heldinnentore vielleicht alle paar Wochen, Monate oder Jahre. Die mittleren und kleineren – ich weiß nicht, zehnmal, 20 mal oder öfters pro Tag? Immer dann, wenn ich aufgefordert bin, in meine Größe zu kommen und im Vertrauen zu bleiben – besonders, wenn es in mir oder um mich stürmisch und ungemütlich wird.

Weil sich hier entscheidet, ob ich wirklich gehe.
Und weil ich hier, genau durch diese Heldinnentore,
so unglaublich gut, so unglaublich direkt,
mitten in meine Kraft, mitten in mich als die,
die ich wirklich bin, hineinwachsen kann.

So wünsche ich uns allen die Klarheit, die Heldinnentore unseres Lebens wieder und wieder zu erkennen und den Mut, mit allem, was wir haben und sind, durch sie hindurchzugehen!

Von Herzen,
Sabrina.

PS. Mut und Vertrauen für den eigenen Herzensweg gibt es übrigens ebenso in meinen beiden Büchern „Auf dem Herzensweg – Lebensgeschichten spiritueller Frauen“ und „Hab Mut und geh – Das Herzensweg-Praxisbuch“.

Gute Wege und tragende Kräfte für dich!

Foto: Raphi See photography

 

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12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. …oh, ja – auch ich bin sehr berührt von diesem Text, liebe Sabrina – soviel Klarheit und Bewusst heit schwingen in Deinen Worten mit….und ich habe das Gefühl, daß gerade diese Qualitäten unsere innere Kraft “wachküssen” können…Danke von Herzen und viel Segen in diese Runde, die mir so ans Herz gewachsen ist….fürs miteinder gehen, fürs einander erinnern…
    Alles Liebe,
    Dagmar

  2. Liebe Sabrina,
    welch schöner Gedanke, der des Heldinnentores. Alleine schön das Wort erweckt den Eindruck von Kraft, denn wer sich bewusst entscheidet, also die Herausforderung des Tores annimmt, befindet sich mitten im Hier und Jetzt, wird gezwungen, irgendwie zu handeln und weiterzugehen, statt im Alten steckenzubleiben. Und das ist es doch letztlich, was das Leben ausmacht, wenn frau nicht nur existieren will.
    Egal wie groß die Angst, schiefgehen kann es eigentlich nicht. Denn wenn das letzte Tor nicht das richtige war, suche ich eben das nächste.
    Herzlichen Dank für diese schöne Inspiration!

    • Liebe Bianca,

      hab Dank für deine Worte und Gedanken! Deine Zeilen “…denn wer sich bewusst entscheidet” klingen noch nach in mir – darin steckt für mich auch: Indem ich mich bewusst entscheide, werde ich von der, die “etwas über sich ergehen lässt” zu der, die “aktiv handelt”. Indem ich mich für das Tor entscheide, nehme ich meine Kraft zu mir zurück und erlaube mir, aufrecht weiterzugehen – wie immer das aussehen mag. Es ist ein Ja zu mir und ein Ja zum Leben, das ich darin erahne.

      Herzensgrüße,
      Sabrina

    • Liebe Maria,

      das ist es auch, was für mich drin steckt, wenn ich sage “Die Heilkraft der Worte (ist meine Medizin)” – bewusst zu schauen, zu wählen: Welche Worte wähle ich mir in mein Leben? Welche Worte gebe ich an andere Menschen weiter? Mit welchen Worten webe ich die Welt, die ich sehen und in der ich leben möchte? Und welche Worte geben den Dingen, die ich im Leben erlebe, ihre ursprüngliche Bedeutung zurück? Eines davon ist das Heldinnentor für mich.

      Herzlich,
      Sabrina

    • Oh ja, so geht es mir auch, liebe Margitta! Und es bekommt für mich etwas von seinem Sinn, seiner Heiligkeit zurück. Ganz so, als rückte ich etwas dadurch wieder in die richtige Position. Schön.

      Herzensgrüße zu dir,
      Sabrina

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