Die schönere Welt, die unser Herz kennt, ist möglich

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Es ist gar nicht immer so leicht, mitten im Alltag die Verbundenheit zu spüren, nach der wir alle uns so oft sehnen.

Menschen um uns zu erleben, die ebenfalls in diesem Dazwischen stehen – die spüren, dass das Alte nicht mehr trägt und dass das Neue gerade erst dabei ist, sich zu zeigen.

Menschen, die wie wir bewusst durch Wandlungsphasen gehen, die zweifeln, sich ängstigen und die sich immer wieder begeistern, für eine Vision und für das, was sie in der Welt zu geben haben.

Ein Abend, an dem ich gleich 400 solcher Menschen getroffen habe, war vor zwei Wochen. Die Villa Unspunnen, ein spirituelles Seminarzentrum in der Schweiz, hatte nach Zürich eingeladen. Zu einem Vortrag mit Charles Eisenstein, Philosoph und Autor, dessen Buch „Die schönere Welt, die unser Herz kennt, ist möglich“ zugleich Pate gestanden hat für den Titel des Abends.

Es waren vor allem seine vielen Geschichten, die mich immer wieder berührt haben. Und die Art, wie er unsere gewohnte Sichtweise auf die Dinge, wie sie sind oder zu sein haben, immer wieder bewusst zu brechen vermochte.

So räumte er gleich zu Beginn mit dem Vorurteil auf, dass es für große Veränderungen in der Welt immer auch große Schritte brauche.

Vielmehr sagte er:

Jede Veränderung, die irgendwo geschieht,
erlaubt, dass genau diese Veränderung
auch an anderer Stelle geschieht.

Wie ein Stein, der ins Wasser geworfen sich ausbreitende Kreise bildet – egal, ob es sich um ein Engagement auf politischer oder wirtschaftlicher Ebene handelt, um ein Lächeln, ein gutes Wort oder die Pflege eines anderen Menschen.

Dass uns unser eigenes Engagement oft viel zu klein und unwirksam vorkomme, hat für ihn auch viel mit den Geschichten zu tun, die wir uns selbst jeden Tag erzählen.

Davon, dass die kleinen Schritte, die wir jeden Tag tun, die Mutter, der Opa, um die wir uns vielleicht kümmern, zu keiner wirklichen, großen Veränderung der Welt führen würden.

Dass wir uns doch lieber um die großen Probleme, den Klimawandel, das Finanzsystem, die Regenwälder, um all das kümmern sollten.

Dabei seien wir selbst es, die entschieden,
ob wir diese alte Geschichte weiter leben
oder damit beginnen wollten,
neue Geschichten zu erzählen und zu leben.

Er fragte: What do we worry about?
Wovor fürchten wir uns eigentlich?

Und erzählte die Geschichte von einem Mann aus dem Westen, der eine Gruppe afrikanischer Kinder zu einem Wettbewerb aufforderte.

Wer der Schnellste sei, sollte einen Strunk Bananen bekommen. Doch als der Wettbewerb begann, nahmen alle Kinder die Bananen zusammen in die Hand und trugen sie zu jenem Mann.

Dieser fragte den eigentlich flinksten Jungen: Warum hast du die Bananen nicht für dich alleine behalten? Du hättest doch gewinnen können! Der Junge sagte: Ubuntu! Wie kann ich glücklich sein, wenn meine Freunde es nicht sind.

Es sind diese Geschichten, die sich durch den Abend ziehen und die so eindrücklich erleben lassen, wie sehr wir alle von den Geschichten geprägt sind, in denen wir aufgewachsen sind und in denen wir leben.

Dann sprach Charles Eisenstein vom „Interbeing“, davon, dass alles – und wir alle – miteinander zusammenhängt, verbunden ist. Dass alles, was ich gebe, zu mir zurückkommt. Dass alles, was ich tue, eine Wirkung hat.

Er sprach von der kreativen Kraft, Dinge in die Welt zu sprechen. Von Synchronizitäten, Fügungen, davon, im Fluss zu sein.

Und davon, dass wir einander
immer wieder daran erinnern sollten,
dass wir nicht etwa verrückt seien,
weil wir spürten, dass das Alte
für uns nicht mehr funktioniere.

Dass wir nicht verrückt seien, weil wir uns alleine fühlten, nicht mehr gesellschaftsfähig.

Sondern dass wir uns immer wieder bewusst machen dürften, dass da schon heute ein ganzes Feld anderer Menschen sei, die das Gleiche spürten, wie wir selbst. Dass wir uns gegenseitig daran erinnern sollten. Es spüren. Immer wieder.

Und dass immer dann, wenn etwas in uns oder im Außen zusammenbräche, auch die Matrix der Geschichten, die wir uns erzählten – beispielsweise darüber, wie wir, unser Leben, unsere Arbeit oder die Gesellschaft zu funktionieren haben – zusammenbrechen würden.

Dass dadurch Raum geschaffen würde für das Neue, das heute noch weit weg, ja fast unmöglich erscheine – und dass dadurch plötzlich möglich werde.

Am Ende des Abends waren wir alle im Publikum aufgerufen, mit einem Wort die schönere Welt, die unser Herz kennt, zu charakterisieren.

Es waren Gänsehautminuten, während nach und nach immer wieder eine Person aus dem Publikum aufstand und ein Wort nannte. Wir. Achtsamkeit. Mut. Herzensweg. Miteinander. Kraft. Wie ein Wortteppich, der entstand, und der uns ganz deutlich erfahren ließ, wie wichtig jeder einzelne Faden darin ist. Und wie es sich anfühlt, wenn sich jene einzelnen Fäden zu etwas Größerem verweben.

Jetzt du:

Diesen Faden aufgreifend, möchte ich dich heute ganz herzlich einladen, mit uns am Ende dieser Seite zu teilen: Was charakterisiert für dich diese schönere Welt, die dein Herz kennt? In einem Satz. Und wenn du magst: Was tust du schon heute, um diese Vision jeden Tag ein stückweit mehr zu leben?

Herzlich,
Sabrina.

Foto: Oliver Boberg

37 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Danke an alle für die berührenden und inspirierenden Gedanken … Mich spricht der Wort-Klang-Teppich sehr an … VERTRAUEN … in die Welt, in das Leben, dass wir, wenn wir uns dorthin ausrichten, wo wir hinwollen, unterstützt werden … dass unsere innere Stimme uns den Weg zeigt, weil wir verbunden sind … Und … die Energie folgt der Aufmerksamkeit … was will ich nähren in meinem Leben? … um eine Welt mitzugestalten, in der wir alle gut leben können, uns sicher und geborgen fühlen … ACHTSAMKEIT … Ich wünsche allen einen frohen Tag! Birgitta

  2. Liebe Sabrina,
    mein Vision ist einfach und etwas naiv:
    ….and the answer is love,love and more love….
    Mit der Kraft der Liebe können wir alles schaffen und wir fühlen uns somit auch verbunden.Schliesslich sind wir alle eins.
    Liebste Grüsse,Daria

  3. Für mich heißt das Zauberwort für eine schönere Welt „Empathie“, damit meine ich: echtes Mitgefühl und echte Verbindung.
    Das bedeutet, dass wir uns, und unsere Sinne für uns selber und für andere so aufmachen, dass wir uns nicht mehr nur oberflächlich wahrnehmen. Diese Art von Begegnung führt automatisch zu einer verbindenden, gewaltfreien Kommunikation (wie es Marshall Rosenberg nennt). Manchmal braucht es dann nicht viel Worte, sondern nur einen ehrlichen, offenen Blick für den anderen – und wir erkennen, wo er/sie wirklich steht. So eine Begegnung macht eine echte Verbindung möglich.
    Ein besonders schönes Beispiel, welches dies für mich ausdrückt, ist in Szenen des Films „Avatar“ zu sehen – wo sich die blauhäutigen Einwohner auf besonders schöne Art begrüßen: sie legen ihre Hand auf das Herz des anderen, spüren in sich hinein, schließen die Augen dabei und sagen: „I see you“.
    Das ist der Moment, der mich sehr berührt. Denn in der Tiefe gesehen, wahrgenommen und im Kern respektiert zu werden, ist, denke ich, das größte Geschenk, dass wir Menschen bekommen können und zugleich unsere größte Sehnsucht hier auf der Erde – denn die Wirkung hier ist einfach : LIEBE.

    Ehrlich gesagt, ist das mein großer Traum hier, dass unsere Begegnungen als Menschen weniger oberflächlich sind. Oft sind wir getrieben von so vielen Dingen, dass wir nicht mehr durchatmen und innehalten, nicht mehr wirklich hinschauen oder zuhören. Dabei ist es gar nicht aufwendig, sich wahrhaftig zu begegnen. Ein tiefer, offener, ehrlicher Blick für sich selbst, und für den anderen, ist das Einzige, was es braucht. Und ich denke, wir müssen uns erst mit uns selbst richtig verbinden und Mitgefühl für uns aufbringen, dann können wir dies auch für den anderen tun.

    Ich wünsche uns allen viele Momente echter Begegnungen untereinander!
    :-))

  4. Schwarmintelligenz und Selbstliebe
    sind meine „Zauberwörter“ für die schönere Welt, die wir bereits kennen.
    Wie es in der Geschichte so gut erzählt wird, die „Bananen“ teilen, weil einfach das Vergnügen
    und nicht die Leistung im Wettbewerb zählt. Und da ist jeder gern dabei einfach aus Freude, das Seine beitragen zu können. So sollen wir das Leben „spielen“.
    Und jeder trägt das bei, was für ihn/sie und das Wohl aller dient. Weil nur „Ich und Du“ das unsere beitragen können. Weil wir besonders sind, jede und jeder.
    Die Bienen und andere Insekten zeigen uns das so deutlich, sie sind auf ihrem Platz so wichtig und geben ihren besonderen Beitrag für das Große Ganze.

    • Und da ist jeder gern dabei einfach aus Freude, das Seine beitragen zu können. So sollen wir das Leben “spielen”. Danke dir, liebe Gerlinde, besonders auch für diese beiden Sätze. Und natürlich für die Schwarmintelligenz und die Selbstliebe!

      Herzlich,
      Sabrina

  5. Die „schöne neue Herzenswelt“ ist immer schon da und trägt uns alle.
    Licht, Wärme,Nähe, VerbundenSein in diesem Moment.
    Meine Herausforderung lautet:
    Im Jetzt bleiben, voller Geduld und Vertrauen.
    Und den Satz: Ich weiss es nicht“ liebevoll integrieren

  6. Liebe Sabrina
    Wunderschöner Beitrag!

    Mein Satz:
    Loslassen, Herz öffnen JA sagen, Freude haben und ein Lächeln verschenken:)

    Herzliche Grüsse Karin

  7. Verständigung.
    Wirklich hören wie ein Anderer tickt, wie ein Dritter denkt, mich selber dabei spüren, den Anderen sein lassen und aushalten, dass Widersprüchliches nebeneinander existieren kann. Nicht kämpfen, Recht haben wollen, sondern JA sagen zu dem, was ist. Und eine bewusste Wahl zu treffen, wie ich mit der Realität, wie sie sich zeigt, weiter umgehen will.

    Wie?
    Schritte zur Zeit:
    verlangsamen, aufmerksam sein, zuhören, mich selber ernstnehmen, mutig in den Kontakt mit anderen Menschen gehen. Hingehen, präsent sein und wieder lösen, zurücknehmen die Aufmerksamkeit.

  8. Liebe Sabrina,
    für mich ist ein wichtiger Aspekt über den Tellerrand zu schauen, mich mit anderen zu vernetzen, mein Herz weit machen und versuchen mein Gegenüber so anzunehmen wie er ist. Aber auch nicht so streng mit mir zu sein, meine Macken akzeptieren, denn nur so kann man authentisch sein und sich ganz in sich wohlfühlen. Sich anstecken lassen mit der guten Laune anderer, auch wenn das die Pläne durcheinander wirft. Einfach mal ausbrechen aus seinem Trott und sich anhören wofür der andere brennt. Ganz oft entstehen aus solchen Situationen die tollsten Gespräche oder Dinge. Sich Zeit nehmen Menschen kennen zu lernen und sie nicht sofort in Schubladen packen, den Mut haben seine Meinung über einen Menschen zu ändern. Menschen so begegnen, wie man es sich für sich selber wünscht. Das klingt so einfach, gelingt auch vielfach schon, aber dann wird das Herz wie aus heiterem Himmel wieder eng. Es ist noch ein langer Weg, aber der Weg ist das Ziel
    liebe Grüße
    Emily

    • Liebe Emily,

      danke dir für deine Worte – sich von der guten Laune anstecken lassen, Menschen fragen, wofür sie brennen, den Mut haben, die eigene Meinung über einen anderen Menschen zu ändern, das spricht mich alles sehr an, berührt etwas in mir! Und ich glaube, wir dürfen uns zugleich immer wieder erinnern: Mal gelingt uns all das gut, mal nicht. Und dass ist genau so vollkommen in Ordnung. Denn wir sind Menschen. Menschen, die sich entwickeln, die leben, die lebendig sind. Weiterhin ganz viel Freude auf diesem, deinen Weg der neuen Sichtweisen und überraschenden Wege!

      Herzlich,
      Sabrina

  9. Liebe Sabrina,
    was für ein schöner Blog-Beitrag.

    Was charakterisiert für dich diese schönere Welt, die dein Herz kennt? Fragst du:
    Für mich ganz klar: Füreinander-Miteinander , Einheit-statt Trennung und das es aufhört das jeder immer für sich kämpft… statt sich zusammen zu tun und miteinander Fäden zu spinnen die ein neues Feld webt.

    Was kann ich dafür tun heute um diese Vision schon zu leben oder ins Leben zu bringen. ??
    Sicherlich erst mal gut mit mir verbunden zu sein, zu meiner inneren Essenz. Meine eigenes Gefühlt der Trennung aufheben. Darüber aber auch zu sprechen, ein Feld zu kreieren wo solche Gedanken Platz haben… das es sich etwas anrührt. Menschen zusammenführen, Fäden spinnen wo ein Miteinander möglich ist… und doch jeder sein eigenes Licht leuchten lassen kann aber ohne Konkurrenzdenken, Besser-Sein wollen usw…. .

    … Immer noch meine ich so viel Ich-statt-Wir zu fühlen, Ellebogen statt Herz, Einzelkämpfertum statt Teamplaying…
    Ja dann zieht sich etwas in mir zurück… und ich habe das Gefühl mit meinen Ideen keinen Platz zu haben…

    Herzgrüsse, Sabine

    • Liebe Sabine,

      danke dir für deine Gedanken und dein Füreinander-Miteinander! Ich erlebe es immer wieder, dass wenn ich meinen Visionen erlaube da zu sein, ihnen Raum gebe, wenn ich beginne mit anderen Menschen über sie zu sprechen, bewegt sich etwas. Etwas in mir kommt in Bewegung und zugleich entstehen oft auch im Außen die Räume, in denen solche Visionen Platz haben. Sei es, dass mir Menschen mit ähnlichen Gedanken und Wünschen begegnen, ich an einen passenden Ort dafür komme oder mir ein Buch zu dem begegnet, was mich bewegt – und was mich wieder spüren lässt: Ja, ich bin genau richtig hier.

      Herzlich,
      Sabrina

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