Drama, Drama

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Wie sehr hatte ich doch immer geglaubt, ganz jetzt zu sein. Richtig gut darin, ganz im Moment zu sein.

Das bin ich auch immer wieder, keine Frage. Sei es an Seminartagen oder in Coachingsitzungen, beim Fotografieren zwischen Gerstenfeldern, Kornblumen und Feldwegen, beim Mantrasingen oder auch so, am Mittagstisch, morgens vor dem Aufstehen, im Gespräch mit einer Freundin.

Das ist die eine Sabrina. Die Zen-Sabrina. Zentriert. Geerdet. Verbunden. Ganz da.

Und dann, ja, dann ist da auch noch die Drama-Sabrina. Sie, die die großen Bühnen liebt. Die verworrenen Stücke, die komplizierten Begegnungen. Je intensiver, desto besser. Intensiv und zugleich doch nicht wirklich nahbar.

Je mehr ich mir dieser Dramen und Muster bewusst werde, in denen ich mich so lange bewegt habe und es heute noch immer mal wieder tue, desto schwerer fällt es mir, sie aufrechtzuerhalten. Weil etwas in mir weiß, dass sie eigentlich nicht wirklich zu mir gehören. Dass sie erlernt sind, ihre Funktion hatten, vielleicht manchmal heute noch haben.

Dieser eine Teil hat genug von ihnen.
Weil sie mich kleinhalten. Mich von meiner Größe abhalten.
In die ich nur kommen kann, wenn ich das Alte gehenlasse.

Keine Frage, die Dramen erfüllen oft einen Zweck. Helfen mir, unbewusst Verbindungen zu Menschen, alten Strukturen und Umständen aufrechtzuerhalten. Lassen mich mich sicher fühlen, im gewohnten Terrain.

Und doch. Im Drama komme ich nur selten in meine Größe. Ja, schon, ich fühle mich groß, während ich inszeniere, Dramen inszeniere. Und doch – dahinter wartet meist vor allem die kleine Sabrina. Die, die gesehen werden will. Und die keinen anderen Weg dahin weiß, als jenes Drama.

Keinen Weg dahin wissen – das stimmt vielleicht nicht ganz. Vielmehr kommt es mir oft wie ein Vergessen vor. Ein Vergessen, dass es auch anders geht. Dass ich die Wahl habe, wie (und was) ich denke, rede, handle.

Dass es sehr wohl neben der vierspurigen (Drama-)Autobahn, deren Streckenlauf, Abzweigungen und Kurven ich nur allzu gut kenne, schon diesen neuen kleinen Trampelpfad gibt. Und dass es Zeit braucht, ein Dranbleiben, ein Wiederholen, ganz banal und doch so essenziell, damit jener Trampelpfad breiter und tiefer wird.

Der Trampelpfad des neu Denkens, Sprechens, Handelns. Wie ungewohnt sich das oft noch anfühlt. Und sich der alte und der neue Wege, die alten Muster und das neue Sein, immer wieder ineinander zu verhaken scheinen. Gegeneinanderlaufen.

Zugleich spüre ich die Kraft, wenn es mir wieder gelingt,
auf dem neuen Trampelpfad zu bleiben.
Und ich dabei entdecke, was da noch alles zu mir gehört –
an Kraftvollem, Großem, Schönem.

Manchmal, da vergesse ich vor lauter Staunen gar ein Drama zu machen. Und stelle fest, dass sich das richtig gut anfühlt.

Das hilft mir auch, mich daran zu erinnern, kein Drama daraus zu machen, wenn ich gerade dabei bin, doch mal wieder ein Drama zu machen. Denn dann bin ich schon wieder mitten drauf, auf der gewohnten Autobahn.

So mag ich mich erinnern: an den Trampelpfad. Daran, auch mal über mich zu lachen. Mir selbst auf die Schulter zu klopfen. Mich in den Arm zu nehmen. Eistee mit mir zu trinken. Mich zu erinnern, dass das alles gar nicht so schlimm ist. Und gleich nochmal den Trampelpfad entlanglaufen. Gefallen daran finden. Und Freude.

Herzlich,
Sabrina.

PS. Dich zusammen mit mir auf einen neuen Trampelpfad begeben, das geht auch. Gemeinsam in der Zeit des Dazwischens stehen, wenn das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch nicht da ist. Zusammen dem Nebel trotzen und den Antworten lauschen, die längst schon da sind. Wenn das das ist, was du jetzt gebrauchen kannst, schau mal hier.

 

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10 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo liebe Sabrina..

    Und diese Zeit des Dazwischens ist oft irre anstrengend.. Herausfordernd.. Und steinig schwer :-(..
    Aber wird schon werden. Der nächste Sonnenstrahl, der den Trampelweg beleuchtet, wird kommen.. Darauf vertrau ich. Und dann kann ich wieder weitergehn..
    In Liebe
    . Julia

    • Der nächste Sonnenstrahl, der den Trampelweg beleuchtet, wird kommen.. Darauf vertrau ich. Und dann kann ich wieder weitergehn..

      Danke dir für deine und besonders diese Zeilen, liebe Julia! Und dazwischen dürfen wir immer wieder schauen: Was tut mir jetzt gut? Was brauche ich jetzt, um gut weitergehen zu können? Das kann ein Buch sein, das uns nährt. Ein Mensch, der uns für eine Weile begleitet. Eine Zeit in der Natur. Um so immer wieder die Ressourcen zu nutzen, die schon da sind. Um uns so immer wieder selbst zu unterstützen und zu bestärken auf dem Weg.

      Herzlich,
      Sabrina

  2. Liebe Sabrina,
    diese Dramen sind ein, wie Du schon sagst, wichtiger Teil unserer Schöpfungen.
    Es sind Teile unseres Integralen Seins, je mehr wir alles annehmen und auch lieben können, umso so mehr kann uns das herrliche Kraftfeld darin unterstützen… für alles das, was wir wünschen, wählen und bewusst entscheiden.
    Das Tolle an dem Foranschreiten ist doch, dass wir viel losgelöster, verständnis- und verantwortungsvoller mit diesen Autobahnen und auch Trampelpfaden leben und sein können. Überall liegen die Wunder des Lebens am Wegesrand und überall treffen wir Herzens- und Gleichgesinnte, welche genau dort stehen und ein Stück des Weges unsere Gefährten sein können.
    Schön, dass es Dich gibt … schön, dass es uns alle gibt!

  3. Liebe Sabrina,
    Hab Dank für Dein hilfreiches Formulieren von dem, was in Dir und mir lebt und erfahrbar wird. Ich finde kaum Worte um aus zudrücken, wie sehr Du mir aus der Seele sprichst und wie tief es mich berührt. Wir sind uns erst einmal begegnet ( in Bretten) und wenn ich deinen Blog lese, denke ich jedesmal Du bist eine Seelenverwandte. Hab Dank fürs teilen und sei gesegnet von Monika Theresia

    • Danke dir für deine Worte, liebe Monika Theresia – das ist für mich so oft der wahre Wert von Worten: wenn sie uns berührend, miteinander verbinden, uns unterstützen und zu Begleitern auf dem Weg zu werden vermögen.

      Herzlich,
      Sabrina

  4. Danke, danke, danke, liebe Sabrina! Es deckt sich zu 100 Prozent mit meiner Situation und es macht Mut, sich von der Bühne des Dramas abzuwenden hin zum Trampelpfad. Ich hoffe, ich schaffe es, die Bühne in Größe zu verlassen, nämlich still und schweigend….um dann mit offenen Sinnen langsam und achtsam den Trampelpfad einzuschlagen, die kleinen Blumen am Wegesrand zu entdecken und ohne Gepäck unterwegs zu sein. Sei gesegnet!

    • Liebe Claudia,

      und wenn du entdeckst, mit großem Drama von der Dramabühne zu steigen – es vielleicht auch so mit einem Lachen nehmen zu können und dich zu erinnern: Wir können jeden Moment neu anfangen. 🙂

      Herzlich,
      Sabrina

  5. Liebe Sabrina,
    „Manchmal vergesse ich vor lauter Staunen gar ein Drama zu machen. Und stelle fest, dass sich das richtig gut anfühlt.“

    Wie wahr, wie wahr.
    Manchmal überkommt mich aber das Drama ganz unverhofft. Dann stehe ich genauso staunend da, wie das jetzt wieder passieren konnte.
    Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass, je länger ich auf dem von dir erwähnten Trampelpfad unterwegs bin, desto distanzierter erlebe ich diese Dramen.
    Es ist schon fast so, als würde ich mir selbst dabei zusehen. Ich hoffe, dass ich an den Punkt komme, an dem ich in der Lage bin das Drama zu stoppen, ehe es ein größeres Ausmaß annimmt. Dramen kosten nämlich viel zu viel Kraft, die man anderswo sinnvoller einsetzen kann.
    liebe Grüße
    Emily

    • Danke dir für deine Zeilen, dein Teilen, liebe Emily! Ja, die Kraft von Dramen, sie lässt sich tatsächlich anderswo ganz kreativ, produktiv, anders einsetzen. Und es braucht sicherlich einfach seine Zeit, uns zunächst der Dramen und des Dramenmachens immer wieder bewusst(er) zu werden, um dann immer wieder und immer länger, so wie Claudia es so passend formuliert hat, von der Dramabühne hinabzusteigen und die genussvollen, nährenden Seiten des neuen Trampelpfads zu entdecken.

      Herzlich und gute Wegeswünsche,
      Sabrina

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