Seit einigen Jahren trage ich dieses Bild in mir.

Wie ich da oben auf dem Berg stehe und mein Lied singe. Laut und deutlich in die Welt hinein. Richtung Schwarzwald im Norden und Alpen im Süden. Wie ich mein Lied singe, ganz in meiner Kraft, und von dort aus meine Netze webe.

Manchmal wandelt sich das Bild. Dann stehe ich mit einem Kreis Frauen und Männer dort oben am Berg auf einer Wiese, ein Feuer in unserer Mitte, die Trommel in meiner Hand. Wir singen, teilen Geschichten, feiern unser Zusammensein im Kreis.

Ich spüre, dass es alte Bilder sind,
uralte Bilder und Kräfte,
die sich da mit meinem Jetzt verweben.

Mit diesem Berg, der eigentlich ein Vulkankegel ist und hier im Hegau steht. Mit jenem Platz dort oben, der im Sommer eine umzäunte Kuhweide ist und nur im Winter betreten werden kann. Mit meinem Blick, der von dort weit geht – im Norden Richtung Schwarzwald, im Osten zum Bodensee und im Süden zu den Alpen und in die Schweiz.

Dieses Bild begleitet mich seit ich vor einigen Jahren zum ersten Mal dort oben stand. Immer wieder hole ich es mir her, setze mich in es hinein, spüre seine Kraft – und meine Kraft, wenn ich in ihm stehe. Vor allem dann, wenn ich diesen Ort gerade nicht aufsuchen kann. Weil ich kein Auto habe und kein Bus dorthin fährt. Oder weil es gerade Sommer ist und ich nicht auf die Wiese komme.

Doch ich spüre, das macht gar nichts. Die Kraft des Bildes, des Ortes, dieses Verbundenseins ist dennoch da. Lange habe ich es nicht gewagt, über diese alte Kraft, die ich da spüre, zu sprechen. Sie war da, in meinem Herzen, ja. Aber das mit jemandem teilen?

In letzter Zeit merke ich immer mehr,
dass die Zeit der Zurückhaltung vorbei ist.
Dass es mich ruft, laut ruft, wirklich da draußen
mit Meinem zu stehen und sichtbar zu sein.

Weil es in mir drängt. Weil ich spüre, was ich alles zu geben habe.

Das begegnet mir immer wieder auch in meiner Arbeit. Bei den Frauen, die ich im Coaching begleite. Bei denen, mit denen ich ein Seminar, einen Vortrag, einen Abend gemeinsam verbringe. Das begegnet mir ebenso in den Seelenbotschaften. Dieser Ruf sichtbar zu werden.

Nicht, weil es unbedingt sein muss. Nicht, weil jemand das von uns fordert. Sondern einfach, weil wir spüren, dass es jetzt an der Zeit ist. Dass wir gefragt sind, gerufen sind, uns zu zeigen.

Vor einigen Wochen, am 14. Februar, war der weltweite „One Billion Rising“-Tag. Ein Tag, an dem Frauen überall auf der Welt gemeinsam tanzen. Für ein Leben in Würde und Gewaltfreiheit. Eine Teilnehmerin meiner Seminare fragte mich, ob ich etwas an diesem Tag anbieten würde. Erst sagte ich Nein und spürte dann doch – ja, ich wollte. Auf meine Art und Weise.

So schrieb ich – statt öffentlich zu tanzen – einen Abend im Kreis der Frauen aus: Frauenkraft – Frauenweisheit.

Ein Abend, an dem wir im Kreis zusammen sein würden,
tönend, singend, tanzend, essend, uns austauschend.
Dieser Abend fühlte sich so kraftvoll an – und passte
so gar nicht in die überwiegend konservative Region,
in der ich lebe.

Ich schickte die Einladung zum Abend an die Kreise, mit denen ich hier im Hegau und am Bodensee verbunden bin. Hing Plakate dazu in der Post und im Supermarkt auf und schickte einen Hinweis an die lokalen Zeitungen. Ein Teil von mir dachte noch: Bist du jetzt völlig übergeschnappt? Öffentlich zu Frauenkraft und Frauenweisheit aufzurufen? Gerade hier?

Der andere Teil staunte: Dass das städtische Mitteilungsblatt tatsächlich einen Hinweis auf den Abend veröffentlichte. Dass wir am Abend selbst dann mit 13 Frauen im Kreis saßen. Dass Frauen gekommen waren, die ich bislang nur aus den eher konservativen Kreisen des Ortes kannte – und die hier in der Runde offen sagten, dass sie sich sehnten, nach Frauenkraft und Frauenweisheit.

Der Abend selbst dann war unglaublich toll. Nährend, stärkend, mit viel Lachen, Bewegung, Stille und Berührtsein. Ich habe eine Kraft im gemeinsamen Tanzen, Singen und Trommeln gespürt. Ein Miteinandersein, Weben und Stärken im Austausch im Kreis.

Als ich, nachdem alle Frauen
am Ende des Abends gegangen waren,
noch für einen Moment dort im Kreis stand,
überlagerten sich auf einmal die Bilder.

Ich sah mich dort im Raum im Kreis stehen – und ich sah mich auf dem Berg im Kreis stehen. Es war, als wenn ein Teil meiner Vision Wirklichkeit geworden wäre. Wie ein Zeichen von: Du bist richtig hier. Das ist dein Weg.

Ich merke, ich mag ermutigen: Dem eigenen Spüren und der eigenen gefühlten Kraft zu trauen. Ebenso dem alten Wissen. Auch, wenn es vielleicht erst einmal komisch klingt, sich komisch anfühlt, nirgendwo Raum dafür zu sein scheint. Und auf diesem Weg weiterzugehen, dem ureigenen Weg. Dort beginnend, wo du gerade bist.

Mit der inneren Forscherin an der Seite und dem Möglichkeitssinn im Herzen. Für das, was noch nicht ist, aber sein könnte. Für das, was noch entstehen mag, erblühen will. Wenn wir gehen. Jede für sich. Und alle gemeinsam.

Von Herzen,
Sabrina

14 Kommentare

  1. Liebe Sabrina,
    Ich bewundere deine Kraft und deine wunderbare Art Dinge zu beschreiben!
    Du schaffst es, dass bei mir während des lesens Bilder entstehen!
    So kann ich euch Frauen in diesem beschriebenen Kreis strahlend sitzen sehen.
    Ein sehr schönes Bild!
    Ich danke dir von Herzen für dein wunderbares feinfühliges Teilen deines Innenlebens!
    Alles Liebe Freude und Herzensglück für dich liebe Sabrina
    Herzlichst Martina

  2. DANKE von HERZEN liebe Sabrina! JA, Du bist richtig hier! Hier ist Dein Weg!
    Ich wünsche Dir von Herzen,
    dass auch heute LACHEN
    für Dich eine große Rolle spielt.

    Lachen und lieben
    ist etwas vom Wertvollsten
    für Körper, Geist und Seele.

    Und da ich Dir
    für jeden Moment Deines Lebens
    nur das Allerbeste wünsche,
    freue ich mich, wenn Du Dir
    täglich viel Freude schenkst.

    Von Herzen dir alles Liebe – Monika

  3. Liebe Sabrina:-D

    Danke für die Gedanken zu One Billion Rising!
    Was für ein toller Erfolg
    und dann dieser Nachklang! 🙂
    Schön, dass die Teilnehmerin so zu einer „Inspiratorin“ für Dich wurde 😉

    Von Deinem Blog her kenne ich ja das Lied „Spreng Deine Ketten“
    und manchmal kreisen wir so von einer zur anderern.

    Das Bild von dem Berg finde ich auch sehr schön, die Version mit dem Feuer
    und der Gemeinschaft sehr kraftvoll, ursprünglich, intensiv.

    Wie singt Gila Antara so schön „..wir gehen und kreisen in uralten Weisen,
    wir gehen und kreisen in neuem Sinn…“

    Apropo singen..
    ich vermisse das Sing/Liederseminar von Dir!!

    Einen schönen Abend für Dich und all die anderen, die hier lesen!

    Diana

    • Liebe Diana,

      hab Dank, dass du mich so inspiriert hast zu diesem „Frauenkraft – Frauenweisheit“-Abend am One Billion-Rising-Tag 🙂

      Ja, ich erlebe es auch als sehr ursprüngliche Kraft, die zugleich mitten im Alltag, mitten in diesem Jetzt, wieder gelebt werden darf und will.

      Reine Singseminare biete ich aktuell keine an, die Herzens- und Kraftlieder fließen dafür weiterhin mit in alle Seminare hinein. So empfinde ich es – in Verbindung mit weiteren Impulsen, Inspirationen, Kreativem und anderem – als besonders stimmig für mich und meine Arbeit. Vielleicht ist ja bei einem der anderen Seminare etwas Passendes für dich dabei?

      Mit einem Herzensgruß zu dir,
      Sabrina

    • Liebe Daniela,

      mögen wir daher jede für sich und miteinander an den Netzen weben, die uns stärken in unserer Kraft und jede für sich ebenso in ihrem Leben schauen: Was bringt mich wieder in meine Kraft? In meine ursprüngliche, urrtümliche, ureigene (Frauen-)Kraft.

      Von Herzen,
      Sabrina

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